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Josef Rau

 

• Jahrgang 1955

• Studium der Betriebswirtschaftslehre mit Abschluss als Diplomkaufmann in München von 1974 bis 1979

• Heilpraktikerausbildung von 1980 bis 1983 in München an der Josef-Angerer-Schule

• Ausbildung zum Atemtherapeuten bei Herta Richter

• Ausbildung zum Yogalehrer

• Seit 1985 Praxis für klassische Homöopathie in München

• Besuch von Seminaren bei Erik Schwarz, George Vithoulkas, Jonathan Shore, Roger Morrison, Nancy Herrick, Paul Herscu, Sheilagh Creasy, Henny Heudens-Mast, Anita Salunke und Prafull Vijayakar

• Seit 1991 Dozententätigkeit in Aus- und Fortbildung an verschiedenen Lehrinstituten

• Seit 2007 Lehrtätigkeit im Rahmen der eigenen Praxisorganisation HomöoCampus

Rau

Josef Rau

Saalburgstr. 13

D-81375 München

Tel. 0049-(0)89-719 46 45

Fax 0049-(0)89-714 74 71

info@homoeocampus.de

www.homoeocampus.de

 

Das größte Problem für eine schöpferische, für alle Seiten ertragreiche Zusammenarbeit sehe ich primär auf der Beziehungsebene oder mit anderen Worten darin, wie wir mit unterschiedlichen Meinungen umgehen, Ansichten, die dem eigenen Modell widersprechen. Hier würde ich mir wünschen, dass der Leitgedanke der evangelischen Akademie in Tutzing "der Pluralität unserer Zeit in geistiger Freiheit gerecht zu werden" auch die Homöopathie KONKRET prägen würde.

Seit mehr als 20 Jahren nun sammle ich interessante, lehrreiche Kasuistiken und ich glaube sagen zu können, dass es sehr wohl "gute" und "schlechte" Kasuistiken gibt, egal, welche Vorgehensweise der Therapeut wählte (Boger, Kent, von Bönninghausen, Vithoulkas, Candegabe oder Vijayakar).

Mir ist es letztlich egal, ob jemand aufgrund von Keynotes, auf der Basis des lokalen Geschehens, durch miasmatische Überlegungen angeregt oder allein auf der Basis von Gemütssymptomen das heilende Agens verordnet, entscheidend ist einzig für mich, ob der Fall in sich nachvollziehbar ist und ob das Mittel auch den gewünschten Effekt zeigt und zwar auf allen Ebenen mit entsprechend langer Beobachtungszeit. Denn was nützt es, wenn der Patient sich glücklicher fühlt, die MS jedoch fortschreitet? Gerade bei der homöopathischen Diagnose, bei Fallverlaufsanalysen und beim Thema Differentialdiagnose und Dosologie kann es, je nach Vorgehensweise, hierbei zu erheblichen Abweichungen kommen. Eine homogene Gruppe wäre hier sicherlich stressfreier, eine heterogene Gruppe bietet jedoch, wenn es gelingt, einen allseits akzeptierten Korridor zu definieren und wenn es gelingt, den unterschiedlichen Meinungen in geistiger Freiheit zu begegnen, mehr Lernmöglichkeiten. In diesem Sinne wünsche ich uns allen eine schöpferische Arbeit und die Fähigkeit, die Gemeinsamkeiten zu betonen und aus den Unterschieden so viel wie möglich zu lernen.

Josef Rau

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Josef Maria Rau

18.8.1955 – 19.08.2010

 

 

Mir obliegt leider die traurige Pflicht, die dennoch eine große Ehre für mich darstellt, mich auch an dieser Stelle von meinem Freund, Kollegen und Mitautoren Josef Rau verabschieden zu müssen, der gestern Nacht nach kurzer, schwerer Krankheit gestorben ist.

 

Ich kannte Josef und seine Frau Erika seit fast 15 Jahren. Wir waren im doppelten Sinne Kollegen, da Erika mit Josefs Unterstützung für das Homöopathie-Forum die Schule und Seminare dort leitete, während ich zur Homöopathie Zeitschrift damals kam. So haben wir unzählige Meetings und einige Vorstandswechsel innerhalb von über 10 Jahren im Forum damals gemeinsam erlebt und uns zunehmend gegenseitig unterstützt. Endlich haben wir auch fast zeitgleich das Forum verlassen und sind unsere eigenen Wege gegangen, Erika und Josef mit HomöoCampus (homöopathische Seminare und Ausbildung), ich mit der Homöopathie KONKRET, worin mich beide sehr unterstützt haben.

 

Ich weiß nicht, wie oft wir beim Italiener essen waren zusammen, in großer Runde, am Abend nach anstrengenden Seminaren. Aber ich erinnere mich gut, dass mir Josef als großer Genussmensch Vitello tonnato und Tagliatelle mit Trüffelbutter nahe gebracht hat. In ganz besonderer Erinnerung werden mir immer seine Erzählungen zu fortgerückter Stunde bleiben, aus seiner fast 30-jährigen Homöopathie-Erfahrung. Ich konnte nie genug bekommen von seinen höchst amüsanten Darstellungen seiner Erlebnisse mit bekannten Kollegen und Dozenten seit Anfang der 80er Jahre und manches Mal saßen wir alle um ihn herum und haben Tränen gelacht. An einem dieser Abende gebar dann auch die Idee, aus diesen Anekdoten und seiner großen Beobachtungsgabe eine Serie zu machen – "Seminarerfahrungen" nannten wir sie recht unprätentiös.

Bei einem meiner Besuche im Krankenhaus in den letzten Monaten meinte Josef noch, dass ihm jetzt langsam der Stoff ausgehen würde. Es gebe eigentlich nur noch drei weitere Homöopathen, über die er würde berichten wollen, deren Arbeit er kritisch betrachtet hätte und der er nach Überprüfung erlaubt hätte, sie in seinen Praxisalltag einfließen zu lassen: Herscu, Vijayakar und Tjado Galic – ob die ihm das wohl übel nehmen würden, wenn er sie auch etwas durch den Kakao zöge? Danach wollte er die Serie beenden und nur noch von Fällen aus seiner langjährigen Praxis berichten.

 

Hierzu ist es nun leider nicht mehr gekommen.

 

Ich werde Josef in vielerlei Hinsicht sehr vermissen. Es ist mir eine Ehre, mit ihm befreundet gewesen zu sein.

 

Kirsten Hill

München, 19. August 2010

 

 

Du sagtest leben laut und sterben leise

und wiederholtest immer wieder: Sein.

 

Rainer Maria Rilke